Schülervertretung - zusammen stark

Die Schülervertretung als Motor der Schulentwicklung

Wenn Schulen schülergerechter werden sollen, ist es unerlässlich die Partizipation der Schüler*innen zu stärken. Dennoch fristen die Schülervertretungen an vielen Schulen ein Schattendasein. Dabei können gut organisierte Schülervertretungen ein entscheidender Motor der Schulentwicklung sein und übergeordnete Bildungsziele wie Demokratiebildung und Digital-Kompetenzen fördern.

Schulen sollen schülergerechter werden – das ist seit jeher eine Forderung vieler Reformpädagogen. Möglich ist das aber nur, wenn Schüler*innen bei Veränderungsprozessen eingebunden werden. Schulen schmücken sich gerne mit Schülerpartizipation, indem sie zum Beispiel einzelne Schüler*innen auf eine Podium setzen oder in eine Schulentwicklungs-Gruppe einbinden. Nicht selten sind das aber Vorzeige-Schüler*innen, die die Schülerschaft in ihren Wünschen und Problemen nicht wirklich repräsentieren.

Es stellt sich nun die Frage, wie die Schüler-Beteiligung besser und vor allem repräsentativer organisiert werden kann. Im folgenden möchte ich kurz erläutern, wie eine Förderung der Institution Schülervertretung nicht nur die Partizipation verbessert, sondern auch eine umfassende Bildung der Schüler*innen und die Schulentwicklung insgesamt positiv beeinflussen kann.

Für repräsentative Beteiligung der Schüler*innen an Entscheidungen

Wer Schüler*innen in der Schulentwicklung beteiligen will, muss keine neue Gremien entwickeln. Schülervertretungen sind in den Schulgesetzen ohnehin fest verankert. Die Schülervertretung (SV) bietet durch ihre Gremien die organisatorischen Rahmenbedinungen über den Schülerrat, Stufenversammlungen oder Klassenräte die gesamte Schülerschaft in Schulentwicklungsprozesse einzubinden.

Leider werden diese Möglichkeiten viel zu selten genutzt. Das liegt auch daran, dass vielen Schüler*innen unbekannt ist, welchen Einfluss sie über die Schülervertretung auf zentrale Entscheidungen des Schullebens nehmen können. In NRW ist das entscheidende Gremien innerhalb der Schule die sogenannte Schulkonferenz. Schulleitungen können entscheidende Weichenstellungen in der Schulentwicklung nur mit Zustimmung der Schulkonferenz treffen. In NRW besetzen die Schüler*innen 6 der 18 Sitze – und haben damit genauso viele Stimmen wie die Vertreter der Eltern und der Lehrkräfte.

Eine gute organisierte SV kann dabei dafür sorgen, dass Themen in der Schulkonferenz wirklich in die Breite der Schülerschaft getragen werden. Ein idealtypischer Ablauf kann zum Beispiel so aussehen: Die Schulleitung stellt eine anstehende wichtige Frage im Schülerrat vor – der Versammlung aller Klassensprecher*innen. Die Klassensprecher*innen tragen die Informationen in die Klassenräte. Die Klassen diskutieren die Frage und stimmen ggf. ab. Die Klassensprecher*innen tragen das Stimmungsbild wiederum zurück in den Schülerrat, dessen Vertreter dann wiederum die Schülerposition in der Schulkonferenz repräsentieren können. So können die Schüler*innen auch immer wieder neue Impulse in die Schulentwicklung einbringen.

Für eine Stärkung der Klassengemeinschaft

Die wichtigste Grundlage für eine breite Beteiligung sind dabei fest institutionalisierte Klassenräte. Diese Versammlung der Schüler*innen dient aber nicht nur der Partizipation bei Schulentwicklungsprozessen. Ein Klassenrat kann auch dazu dienen, Probleme innerhalb der Klasse oder mit einer Lehrkraft anzusprechen und gemeinschaftlich zu lösen. In Klassenräten können zudem gemeinsam Projekte entwickelt werden, die die Klassengemeinschaft voran bringen. Insofern ist der Klassenrat auch ein zentraler Baustein für soziales Lernen.

Für eine Stärkung der Schulgemeinschaft

Die schulweiten Prozesse können aber auch zu einer Stärkung der Gemeinschaft in der Schülerschaft insgesamt führen. Gerade an weiterführenden Schulen spielt sich das soziale Leben oft innerhalb der Klassen ab. Im Gegensatz zu Grundschulen gibt es hier noch sehr wenige Schulen, in denen Lernen auch jahrgangsübergreifend läuft. Die SV als schulübergreifendes Gremium kann dazu beitragen, dass sich die Schüler*innen als echte Gemeinschaft verstehen, die gemeinsame Ziele verfolgt: Im Schülerrat sitzt der gerade eingeschulte 5.-Klässler gleichberechtigt neben dem volljährigen Oberstufen-Schüler, der kurz vor dem Abitur steht.

Für eine Öffnung nach Außen

Eine Öffnung der Schule nach Außen ist eine wichtige Grundlage für ein Lernen mit Lebensweltbezug. Auch hier bieten die Schülervertretungen eine gute Option, da sie die beste Schnittstelle zur Kommunal-Politik bieten. So können beispielsweise Vertreter*innen der SV regelmäßig an Sitzungen des Stadtrats oder des für Schulen zuständigen Ausschuss teilnehmen und so Einblicke in den politischen Alltag bekommen.

Durch eine Vernetzung der Schülervertretungen innerhalb einer Stadt oder Gemeinde, können Schüler*innen dabei echte politische Schlagkraft entwickeln. Man stelle sich nur mal vor, alle Schüler*innen einer Gemeinde würden vor das Rathaus ziehen, um für eine bessere digitale Ausstattung zu protestieren. Mediale Aufmerksamkeit wäre ihnen sicher.

Nicht zu unterschätzen ist hier aber auch die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts: Wenn sich die Schüler*innen verschiedener Schulformen zusammentun, werden künstliche soziale Grenzen überwunden, die das gegliederte Schulsystem hervor gebracht hat.

Für mehr Demokratiebildung

Die Schülervertretung bietet so verstanden die ideale Spielwiese für Demokratiebildung. Das ist gerade in diesen Tagen wichtig, in denen klar wird, dass Demokratie und Rechtsstaat nicht (mehr) selbstverständlich sind. Leider gibt es derzeit in den Schulen große Defizite bei der Demokratiebildung. Die Stärkung der Schülervertretung ist ein Weg für Lehrkräfte, Demokratie und Rechtsstaat zu schützen.

Durch die oben beschriebene Einbindung in demokratische Prozesse in der Schule und auf kommunaler Ebene gelingt Demokratiebildung durch „Learning by doing“. Im besten Fall erfahren die Schüler*innen sich dabei durch erfolgreiche Projekte als selbstwirksam und erleben die Freude, die der gemeinschaftliche Einsatz für das Gemeinwohl erzeugen kann. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr politisches Engagement auch nach ihrer Schulzeit fortsetzen.

Für mehr Projektkultur

Die Förderung der SV kann aber auch zu einer pädagogischen Weiterentwicklung der Schule beitragen. Nicht zuletzt auch wegen der Erfahrungen während der Corona-Schulschließung wollen viele Schulen die Projekt-Pädagogik fördern. Dazu können den Schüler*innen zum Beispiel feste Zeiträume für eigene Projekte eingeräumt werden. Stichworte sind hier zum Beispiel Frei-Day oder Genius-Hour.

Die Schülervertretung kann dabei ein Katalysator sein, weil eine gut organisierte SV reihenweise Gemeinschafts-Projekt der Schülerschaft hervorbringen kann. Dabei handelt sich dann nicht um fremdgesteuerte Projekte, sondern authentische Vorhaben, die sich die Schülerschaft selbst setzt, um ihre Lebenswelt zu gestalten. Dies erhöht die Motivation und das Gefühl der Selbswirksamkeit.

Für nachhaltige Förderung der digitalen Kompetenzen

Gerade in großen Schulen ist die Organisation der SV eine echte Herausforderung, weil der Schülerrat groß und die Einbindung aller Schüler*innen schwierig ist. Digitale Tools können dabei eine große Hilfe sein. Mit Feedback-Tools wie Edkimo lassen sich Umfragen innerhalb der Schülerschaft durchführen. Plattformen wie Padlet oder Cryptpad lassen sich zur Kollaboration oder zur Präsentation von Arbeitsergebnisse nutzen. Und Projektplanungs-Tools wie digitale Kanban-Boards helfen den Schülervertreter*innen bei der Selbstorganisation.

Der Vorteil: Schüler*innen machen in diesem Kontext authentische Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien, die der Nutzung in der Berufswelt sehr nahe sind. Insofern kann eine Förderung der Schülervertretung auch die digitalen Kompetenzen in der Schülerschaft nachhaltig fördern.

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