Logineo NRW LMS: Das NRW-Moodle unter der Lupe

Nicht nur wegen der Corona-Pandemie und weiter drohenden Schulschließungen sind viele Schulen auf der Suche nach einem guten Lernmanagementsystem, das die digitale Zusammenarbeit von Lehrkräften und Schüler*innen erleichtert. Das Land NRW stellt seit diesem Schuljahr allen Schulen kostenlos Logineo NRW LMS zur Verfügung. Als Orientierungshilfe soll dieser Artikel wichtige Fragen rund um das System beantworten.

Disclaimer:

  • Die Informationen basieren vor allem auf meinen ersten Erfahrungen als Nutzer. Insofern habe ich natürlich nur einen sehr beschränkten und vor allem subjektiven Blick auf die Software und kann keine Gewähr für die Informationen geben.
  • In diesem Artikel geht es um Logineo NRW LMS – also das Lernmanagementsystem auf Moodle-Basis. Dieses sollte nicht mit der Schulplattform „Logineo NRW“ verwechselt werden, die E-Mail und Cloud-Speicher für Lehrkräfte bietet.

Auf welcher Technik basiert Logineo NRW LMS?

Das Logineo NRW LMS basiert auf der Open-Source-Software Moodle. Das System ist schon seit Jahrzehnten in der Entwicklung und an vielen Schulen und Universitäten im Einsatz. Moodle ist praxiserprobt und bietet zahlreiche Funktionen für die Zusammenarbeit von Schüler*innen und Lehrkräften. Für den Einsatz als LMS für NRW wurde die Software in den Funktionen und im Design leicht angepasst. Im Kern ist und bleibt das LMS aber Moodle mit all seinen Stärken und Schwächen.

Technisch wurde das System sehr sauber umgesetzt. Das liegt sicherlich auch daran, dass das Land NRW mit Eledia ein auf Moodle spezialisiertes Unternehmen beauftragt hat. Gehostet werden die Instanzen bei Hetzner, einem professionellen Anbieter. Vor diesem Hintergrund ist zu hoffen, dass die Instanzen auch dem Ansturm bei einer erneuten Schulschließung standhalten würden. Ein solcher Stresstest steht allerdings noch aus. Bislang konnten wir allerdings noch zu keinem Zeitpunkt Lastprobleme oder Ausfallzeiten feststellen.

Was für das professionelle Hosting spricht: Noch vor Schuljahresbeginn wurde das LMS auf die gerade erst erschienene neuste Moodle-Version 3.9 aktualisiert. Diese bietet zum Beispiel die Integration von H5P – dazu später mehr. Die für mich wichtigere Erkenntnis: Auch künftig kann man damit rechnen, dass sich Updates von Moodle auch zeitnah im LMS wiederfinden. Das ist deshalb so wichtig, weil damit sichergestellt ist, dass die Software auch künftig weiter entwickelt wird, da Moodle von einer großen internationalen Entwicklergemeinde immer getragen wird. Für die nächste große Version 4.0, die im kommenden Jahr erscheinen soll, ist zum Beispiel die Überarbeitung der Benutzeroberfläche angekündigt.

Wie läuft die Einrichtung von Logineo NRW LMS?

Logineo NRW LMS muss durch die Schulleitung online beantragt werden. Erforderlich ist dafür in jedem Fall ein Beschluss der Schulkonferenz. Derzeit gibt es leider keine Test-Instanz, um einen ersten Einblick in das System zu bekommen. Es ist aber zum Beispiel denkbar, einen Beschluss des Eilausschuss der Schulkonferenz einzuholen, um das System erst einmal nur für Testzwecke zu beantragen.

Ist das LMS einmal beantragt, wird es sehr schnell ausgeliefert: Innerhalb von wenigen Tagen oder gar Stunden haben die Schulen die Zugangsdaten. Jede Schule bekommt eine eigene Instanz mit der URL https://[schulnummer].logineonrw-lms.de.

Das virtuelle Schulgebäude ist aber noch nicht sofort bezugsfertig. Die Schul-Administratoren müssen noch selbst die Daten von Lehrkräften und Schüler*innen importieren und virtuelle Kurs-Räume für alle Lerngruppen einrichten und die Teilnehmer*innen auf die Kurse verteilen.

Mit etwas Know-How ist dies aber vergleichsweise auch bei großen Schulen schnell möglich, indem man CSV-Dateien aus der Verwaltungs-Software Schild exportiert und im LMS hochlädt. Dabei helfen die zahlreichen (Video-)Anleitungen, die zum Start von Qualis-NRW zur Verfügung gestellt wurden.

Wie ist es mit dem Datenschutz?

Insofern die Plattform vom Land zur Verfügung gestellt wird und auf deutschen Servern läuft, sind Schulen in Sachen Datenschutz auf der sicheren Seite. Zudem ersparen sich die Schulen einigen Papierkram: Bei der ersten Anmeldung müssen die Schüler*innen bzw. die Eltern ihre Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen und Datenschutz-Richtlinien geben. Zusätzliche Formulare sind also nicht erforderlich.

Wer leistet Support?

Den Support übernimmt Qualis-NRW (Qualitäts- und UnterstützungsAgentur – Landesinstitut für Schule des Landes Nordrhein-Westfalen). Ein echtes Ticket-System für Support-Anfragen gibt es nicht. Anfragen kann man per Mail an LogineoNRW-LMS{at}qua-lis.nrw.de stellen oder „in dringenden Fällen“ auch an eine Telefon-Hotline, die werktags von 9-15 Uhr erreichbar ist.

Wie ist Logineo NRW LMS aufgebaut?

Die Organisationsstruktur von Moodle basiert auf einer Kursstruktur: Man kann sich das vorstellen wie ein virtuelles Schulgebäude, in dem jede Lerngruppe eigene virtuelle Räume hat. Diese Kurse können die Lehrkräfte relativ frei gestalten: Sie können hier mit ihren Schüler*innen kommunizieren, Termine im Kalender eintragen und unkompliziert Aufgaben, Materialien oder auch Tests hinterlegen.

Bei der Auslieferung sind allerdings noch keine Kurse vorhanden. Jede Schule muss bei der Strukturierung der Kurse überlegen, welches System hier passt. So ist es zum Beispiel möglich für jede Klasse genau einen Raum einzurichten, in dem alle Fachlehrer ihre Inhalte hinterlegen. Möglich ist aber auch, für jedes Fach einen eigenen Kursraum einzurichten. Eine mögliches Konzept für den Aufbau bietet zum Beispiel die IM³-Kursstruktur.

Darüber hinaus lässt sich das System aber noch auf andere Zwecke erweitern. So können zum Beispiel theoretisch auch Kurse für Fachschaften, die Schülervertretung oder die Schulsozialarbeit einrichten. Und mit Hilfe von Gastzugängen kann man auch Eltern Zutritt zum virtuellen Schulgebäude ermöglichen.

Welche Möglichkeiten haben Schulen in der Administration?

Eine der großen Stärken von Moodle als Grundlage des LMS: Man kann so gut wie alle Einstellungen sehr frei konfigurieren. Das bietet große Gestaltungsspielräume. Gleichzeitig ist es aber auch eine große Herausforderung. Der Administrationsbereich fühlt sich zu Beginn in etwa so an, als würde man im Cockpit eines Flugzeuges sitzen: Man weiß zwar, wofür der Steuerknüppel genutzt wird, die Funktion der zahllosen Schalter und Schieber ist aber erstmal nicht bekannt. Sich hier einzuarbeiten ist eine große Herausforderung und erfordert viel Zeit. Es erscheint hier in jedem Fall sinnvoll ein kleines Team zu bilden und dieses auch mit einer kleinen Stunden-Entlastung auszustatten.

Vor allem kleine Schulen, die keine(n) IT-Expert*in im Kollegium haben, könnten hier schnell überfordert sein. Auf die Medienberatung NRW, die die Schulen bei der Einrichtung des LMS unterstützen soll, kommt hier sicherlich eine Mammutaufgabe zu.

Man kann es aber auch positiv wenden: Die Gestaltungsspielräume von Moodle bleiben bei Logineo NRW LMS für die Schul-Admins größtenteils erhalten.Das Moodle kann so sehr individuell auf das pädagogische Konzept angepasst werden. Nicht möglich ist nur die selbständige Installation von Plugins – zum Beispiel zur Einbindung eines eigenen Big-Blue-Button-Servers für Videokonferenzen.

Eine riesige Hilfe für den Einstieg bieten die kostenlosen E-Books von dem Grundschullehrer und Medienberater David Prousch (@prouschdavid bei Twitter) – nicht nur für Grundschullehrer*innen:

Diese und weitere für den Einstieg hilfreiche Materialien und Praxisbeispiele finden sich auf diesem Padlet.

Wie nutzerfreundlich ist Logineo NRW LMS?

Für die Nutzung von Moodle brauchen Lehrkräfte und Schüler keine zusätzliche Software. Der Dienst läuft in allen gängigen Browsern. Moodle hat in Sachen Nutzerfreundlichkeit keinen allzu guten Ruf. Und ja – es stimmt: Viele Funktionen sind etwas umständlich gelöst. Gefühlt braucht man für viele Tätigkeiten ein bis zwei Mausklicks zu viel. Und selbst einige Grundfunktionen sind so unintuitiv gestaltet, dass sie zwingend eine Anleitung erfordern – etwa die Einrichtung eines Gruppenchats.

Aber: Meiner Erfahrung nach können auch weniger versierte Lehrkräfte die zentralen Funktionen nach einer Einweisung schnell nutzen. Für Schüler*innen sorgt die kostenlose Moodle-App für einen einfacheren Zugriff auf ihre Kurse, den Kalender und die verschiedenen Kommunikationskanäle. Verwirrend ist dabei wahrscheinlich vor allem am Anfang, dass die App im Moodle-Design ganz anders aussieht als die Weboberfläche des LMS im Browser-Fenster. Nach meiner Erfahrung kommen die Schüler*innen nach einer kurzen Einweisung aber schnell gut klar.

Ist Logineo NRW LMS eine Hilfe bei künftigen Schulschließungen?

Sicherlich war die Corona-Pandemie eine der wichtigsten Gründe dafür, dass das Land NRW innerhalb kürzester Zeit die Lernplattform zur Verfügung gestellt hat. Sollte es zu weiteren Schulschließungen kommen, sind Schulen aus meiner Sicht mit Logineo NRW LMS gut aufgestellt. Denn eine große Stärke von Moodle ist das Aufgabenmanagement.

Lehrkräfte können Aufgaben mit umfangreichen Materialien einstellen und mit einem Abgabedatum versehen. Für die Schüler*innen erscheinen diese Aufgaben dann automatisch in ihrem Kalender. Ihre Arbeitsergebnisse können sie dann wiederum digital abgeben. Per App ist das besonders einfach: Dabei können sie zum Beispiel Texte direkt eingeben, Fotos von ihren Ergebnissen hochladen oder als Audio- oder Videodatei einreichen.

Lehrer*innen können sich zudem sehr schnell einen Überblick darüber verschaffen, wer die Aufgaben abgegeben hat. Auch das Feedback oder eine Bewertung ist digital möglich. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten – vom digitalen Text über Markierungen in den abgegebenen Dateien per Stifteingabe bis zum Audio- oder Video-Feedback.

Videokonferenzen sind allerdings derzeit über das LMS nicht möglich. Die Landesregierung hat angekündigt, dass künftig den Schulen der Open-Source-Dienst Jitsi zur Verfügung gestellt werden soll. Dieser kann theoretisch auch über eine Schnittstelle im LMS eingebunden werden. Ob dies geplant ist, ist aber unklar.

Welche Möglichkeiten haben Lehrkräfte bei der Gestaltung der Kurse?

Das zentrale Element des Logineo NRW LMS sind wie gesagt die Kurse, in denen Lehrkräfte und Schüler*innen zusammenarbeiten. Bei der Kursgestaltung haben Lehrkräfte riesige Möglichkeiten, ihren virtuellen Klassenraum einzurichten. Das zentrale Element von Kursen sind Aktivitäten. Hier sollen daher nur die aus meiner Sicht wichtigsten Möglichkeiten vorgestellt werden.

  • Multimediales Textfeld: Hinter der Aktivität „Textfeld“ versteckt sich ein Multi-Talent. Lehrkräfte können hier eben nicht einfach nur Texte eingeben, sondern auch Links oder Dateien einbinden. Audio- und Video-Aufnahmen können sie direkt auch direkt am Gerät aufnehmen.
  • Einbindung von externen Diensten per iFrame: Fortgeschrittene Nutzer können die Inhalte des Textfeldes auch per HTML-Editor bearbeiten. Das erlaubt auch externe Inhalte per iFrame einzubinden. So ist zum Beispiel die Einbindung von Padlets, Etherpads oder der verschiedenen Inhaltstypen von Cryptpad.fr möglich: So wird der Funktionsumfang deutlich erweitert.
  • Dateien/Verzeichnisse: Lehrkräfte können das LMS nutzen, um ihren Schüler*innen beliebige Dateien oder ganze Verzeichnisse zur Verfügung zu stellen. Einzelne Dateien dürfen dabei allerdings nicht größer als 500 Megabyte sein. Eine Beschränkung des Gesamtspeicherplatzes gibt es meines Wissens nicht.
  • Interaktive Lerninhalte mit H5P: H5P ist ein offener Standard für digitale, interaktive Lerninhalte. Hier für gibt es zahlreiche optisch ansprechende Vorlagen, die dann nur noch mit Inhalten gefüllt werden müssen. Im LMS können Lehrkräfte solche Module selbst erstellen. Es können aber auch schon erstelle Lernbausteine aus H5P-Sammlungen wie den ZUM-Apps genutzt werden.
  • Verbindung mit Edmond/Edupool: Eine große Stärke von Moodle im Vergleich zu Alternativen wie Office 365 sind die zahlreichen offenen Schnittstellen. So ist es zum Beispiel nach einer einmaligen zentralen Einrichtung sehr einfach Materialien aus der digitalen Medien-Datenbank Edmond einzubinden. Hier finden Lehrer zahlreiche Erklärfilme, Dokumentationen, Spielfilme oder Radiobeiträge.
  • Wikis: Lehrer können Wikis erstellen, die von den Schüler*innen gemeinsam mit multimedialen Inhalten gefüllt werden.

Eine Stärke von Moodle ist dabei, dass Lehrkräfte ihre Kurse inklusive aller Aktivitäten untereinander austauschen können: Kurse lassen sich vergleichsweise einfach abspeichern und an andere Kolleg*innen weiter geben. Das eröffnet für die Kollaboration innerhalb eines Kollegiums und auch schulübergreifend große Möglichkeiten. So können zum Beispiel Fachschaften Kurse mit Materialien und Aufgaben zu bestimmten Themen erstellen, die dann alle Lehrkräfte nutzen können.

Können Lehrkräfte und Schüler*innen über Logineo NRW LMS kommunizieren?

Logineo NRW LMS bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Kommunikation. Jeder Kurs enthält ein Ankündigungs-Forum. Hier können Lehrkräfte aktuelle Infos veröffentlichen, die dann an alle Schüler*innen in dem Kurs verschickt werden. Die Ankündigungs-Foren erlauben eine Einweg-Kommunikation: Schüler*innen können hier nicht antworten. In den Kursen lassen sich aber auch einfach Foren einrichten, in denen Schüler*innen Fragen stellen und auch miteinander kommunizieren können.

Zudem verfügt das LMS über eine Mitteilungsfunktion. Darüber können Lehrkräfte und Schüler*innen einfache Text-Nachrichten austauschen. Auch Gruppen-Chats lassen sich hier einrichten. Mit Hilfe der Moodle-App können Schüler*innen und Lehrkräfte darüber vergleichsweise unkompliziert wie mit Messengern á la Whatsapp kommunizieren.

Leider gibt es aber keine Push-Funktion bei den Mitteilungen: Das bedeutet, dass Schüler*innen auf ihrem Smartphone nicht automatisch über neue Nachrichten informiert werden, sondern die App öffnen müssen. Auch ist der Versand von Bildern oder Dateien leider nicht möglich. Wer solche Funktionen wünscht, muss ggf. zusätzlich den Logineo NRW Messenger nutzen.

Was gibt es noch zu verbessern?

Aus meiner Sicht ist Logineo NRW LMS ein aussichtsreiches Projekt. Wichtig wäre es, dass die Plattform in den kommenden Jahren weiter entwickelt wird. Der Lehrer und Medienberater Marc Albrecht sammelt auf einem Padlet bereits Wünsche und Anregungen.

Folgende Aspekte erscheinen mir besonders dringlich, damit Logineo NRW LMS zu einem Erfolg wird:

Bessere Vernetzung mit den anderen IT-Produkten des Landes

Um effizient arbeiten zu können, müsste das Logineo NRW LMS möglichst gut mit der Schulverwaltungssoftware Schild, mit dem Cloud- und E-Mail-Dienst „Logineo NRW Schule Online“ und mit dem „Logineo NRW Messenger“ vernetzt werden. Unerlässlich wären hier einfache Datenschnittstellen und ein Nutzermanagement, das Schüler*innen und Lehrkräften erlaubt, mit ein und demselben Login alle Dienst zu nutzen.

Mehr Möglichkeiten zur Kollaboration und zur Arbeitsorganisation für Schüler*innen

Moodle funktioniert sehr gut als Top-Down-Lernmanagementsystem: Lehrer*innen stellen Aufgaben und Materialien ein, die Schüler*innen dann abarbeiten. Aus meiner Sicht fehlen aber noch Möglichkeiten zur Zusammenarbeit für Schüler*innen, wie sie etwa Microsoft 365 bietet. Sinnvoll wäre daher eine Erweiterung der Logineo-Familie.

Ein möglicher Kandidat wäre hier zum Beispiel die Open-Source-Cloud Nextcloud in Verbindung mit Collabora oder Only-Office. Damit ließe sich ermöglichen, dass Schüler*innen auf einen eigenen Cloudspeicher zugreifen können, Dateien miteinander teilen und Texte, Tabellen und Präsentationen gemeinsam bearbeiten. Eine Verbindung von Nextcloud mit Moodle ist vergleichsweise einfach möglich, da hier schon ein Plugin zur Verfügung steht.

Ein anderer Kandidat wäre Mahara. Dabei handelt es sich um eine E-Portfolio-Software, die den Schüler*innen erlaubt digitale, multimediale Portfolios zusammenzustellen. Mahara ist genau wie Moodle eine Open-Source-Software. Beide Systeme lassen sich gut miteinander vernetzen.

Verbesserungswürdig sind zudem auch die Möglichkeiten zur Selbstorganisation der Schüler*innen. Diese können sich zwar Termine in ihren Kalender eintragen. Es fehlen aber erweiterte Möglichkeiten zum Beispiel zur Arbeits- und Projektplanung (Kanban-Boards, To-Do-Listen, Notizbücher). Auch hier wäre die Einbindung weiterer Dienste / Plugins sinnvoll.

Entlastung für Schul-Administration

Wie wohl deutlich geworden ist, bietet das LMS zahllose Möglichkeiten. Bislang müssen die IT-Verantwortlichen der Schulen diese aber größtenteils noch auf eigene Faust selbst entdecken und dann an ihre Kolleg*innen weiter vermitteln. Das erfordert viel Zeit und Einsatz. Umso wichtiger wäre es, dass die Schulen ihre IT-Verantwortlichen mit Entlastungsstunden belohnen könnten. Bislang hat das Land NRW hier aber noch keine zusätzlichen Stunden in Aussicht gestellt.

Flächendeckende Fortbildungen

Derzeit gibt es nur vereinzelte Fortbildungen einzelner Bezirksregierungen. Die Landesregierung hat aber ein umfangreiches und flächendeckendes Fortbildungsangebot angekündigt. Wichtig wäre hier, dass es sowohl Angebote für die Schul-Administratoren als auch für normale Lehrkräfte gibt – sinnvollerweise auch mit Fokus auf unterschiedliche Fächer.

Möglichkeiten zur Vernetzungen

Das meiste, was ich über Logineo NRW LMS weiß, habe ich in einer Telegram-Gruppe gelernt: Dort haben sich viele Lehrkräfte zusammengefunden, die das System an ihrer Schule eingeführt haben. Ohne den Austausch mit diesen Kolleg*innen wäre ich vollkommen aufgeschmissen gewesen. Umso wichtiger wäre es möglichst schnell eine landesweite Plattform für die Vernetzung der Lehrer*innen zu schaffen. Ein simples Online-Forum wäre hier schon Gold wert.

Plattform zum Austausch von Kurs-Vorlagen

Die Möglichkeiten für Kurse sind wie oben beschrieben riesig. Gleichzeitig können sie Anfänger aber auch erschlagen. Wünschenswert wäre eine zentrale Plattform, auf der Lehrer*innen aus NRW Vorlagen für Kurse finden. Wünschenswert wäre zudem, dass sie dort auch besonders gelungene Kurse austauschen können. Vorbild könnte die bayerischer Plattform Teach-Share sein. Derzeit gibt es schon eine landesweite für alle Lehrkräfte zugängliche LMS-Instanz mit Unterstützungsmaterialien – dieses Angebot könnte im beschriebenen Sinne ausgebaut werden.

4 Gedanken zu „Logineo NRW LMS: Das NRW-Moodle unter der Lupe

  1. Dieter Pannen

    Hallo Dominik,
    ein hervorragender, ausgewogener Beitrag zu LOGINEO NRW LMS (Moodle). Zum Glück hat LOGINEO NRW LMS nichts mit LOGINEO NRW zu tun und kann autonom betrieben werden.
    Vermutlich ist es auf die Corona-bedingte, überhastete Einführung zurückzuführen, dass der Moodle Push-Dienst Airnotifier nicht sofort freigeschaltet und aktiviert wurde, obwohl er Bestandteil des Moodle Premiumpaketes ist. M.E. bringt der zusätzliche LOGINEO NRW Messenger (Matrix) keine organisatorischen oder pädagogischen Vorteile. Ob es wirklich sinnvoll ist, Lernmaterialien wie Bilder und Aufgaben etc. zu pushen möchte ich doch arg bezweifeln, wenn diese Materialien sowieso in einem Moodlekursraum zur Verfügung stehen. Eine „gepushte“ Mitteilung, dass in Moodle ein neuer Arbeitsauftrag eingestellt wurde, ist m.E. völlig ausreichend. (Pullen vor pushen)

    Für mich ist die MoodleMobile-App die Schnittstelle zu den SuS, aber auch zu den Erziehungsberechtigen. Kompetenzen und Bewertungen der bearbeiteten Aufgaben können jederzeit abgerufen werden. Persönliche Notizen, aber auch Notizen der Lehrkräfte können auf Kursebene und sogar kursübergreifend hinterlegt werden. Über Inhalte wird das schulinterne Curriculum auf Kursebene offengelegt. In einem Kalender können persönliche Termine, Klassentermine etc verwaltet werden.

    Der Matrix-Messengerdienst kann all diese Funktionalitäten nicht bieten. Stattdessen müssen zusätzlich 2,3 Mio SuS, 2,3 Mio Erziehungsberechtigte, 200.000 Lehrkräfte, 105.000 Klassen, 105.000 Eltern/Pflegschaften eingerichtet und stets aktuell gehalten werden. Ein SinglSignOn würde zwar die Pflege der Benutzer erleichtern; an dem holprigen Workflow würde sich allerdings nichts ändern.

    Das Datei-/Filesystem von NextCloud Hub ist vollständig im MoodleCore verankert und die NextCloud Benutzerverwaltung kann für Moodle via OAuth 2.0 direkt genutzt werden. Dem LOGINEO NRW Entwickler KRZN ist es in den letzten 10 Jahren nicht gelungen, das edu-Sharing Datei-/Filesystem so in Moodle zu integrieren, wie es mit dem NextCloud Datei-/Filesystem möglich ist. Auch bei der LOGINEO NRW Benutzerverwaltung handelt es sich um eine proprietäre Eigenentwicklung des KRZN, die man möglichst für den pädagogischen Bereich nicht nutzen sollte. Hat eine Schule sich einmal darauf eingelassen, dann hängt sie am „Fliegenfänger“ (siehe Anbindung von Drittprodukten“ an Logineo NRW = Vendor Lock-in). Wenn in einer Schule ein Directory vorgehalten wird, sei es ein ActiveDirectory, eDirectory , OpenLDAP etc., dann können SuS und Klassen automatisch ist Moodle angelegt werden.

    Zum Glück kann LOGINEO NRW LMS autonom, also ohne LOGINO NRW betrieben werden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es sich um eine strategische Entscheidung des MSB handelt oder ob dies aufgrund der Corona-bedingten überhasteten Entscheidung zurückzuführen ist. Schaut man sich das Verfahrensverzeichnis an, dann hat LOGINEO NRW jedenfalls nichts mit dem Unterrichtsgeschäft zu tun.

    Moodle ist als Lernmanagementsystem ein Werkzeug für Lehrkräfte. Für die geforderte Selbstorganisation der SuS sollte das ePortfoliosystem MAHARA zum Einsatz kommen. Arbeitsergebnisse werden im eigenen ePortfolio gesammelt und lediglich zur Bewertung in Moodle für einen bestimmten Zeitraum freigeschaltet. Eine physische Datenübertragung nach Moodle entfällt. Während der Bewertungszeit ist die entsprechende Datei in MAHARA gesperrt.

    Bis zur Einführung des LMS hat das MSB bzw. die Medienberatung offizielle die Strategie der „digitalen Schulbücher“ (BioBook, Mbook) verfolgt und öffentlich propagiert; auch deshalb kann es noch keine Kurse nach dem bayerischen Vorbild Teach-Share geben. Siehe auch: https://oer.alp.dillingen.de/
    Obwohl das Medienrepositorium edu-Sharing wesentlicher Bestandteil des LOGINEO NRW Projektes ist, wird edu-Sharing von der Medienberatung NRW bis heute nicht als Repositorium eingesetzt. Zum Glück besteht bei LOGINEO NRW LMS die Möglichkeit, Kurse, Themen aus Kursen oder auch nur einzelne Aufgaben per LTI-Schnittstelle für andere (befreundete) Schulen freizugeben. Der einstige Bildungsserver learn:line, der digitales Unterrrichtsmaterial bereitstellen sollte, ist zu einer Suchmaschine verkümmert. Brauchbares Material, welches sich in Moodle weiterverarbeiten lässt, findet man dagegen bei Edmond/Antares.

    Antworten
    1. D.S. Beitragsautor

      Lieber Dieter,
      danke für das positive Feedback und den ausführlichen Kommentar, der nochmal einige Informationen ergänzt. Den Hinweis auf Mahara als mögliche Erweiterung habe ich noch in den Artikel aufgenommen. Das hatte ich auch auf meiner Wunschliste – war mir einfach durchgerutscht..
      Viele Grüße
      Dominik

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Kommentare können nur bei Zustimmung zur Datenspeicherung veröffentlicht werden.

*

Zustimmung zur Datenspeicherung lt. DSGVO