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Digitalisierung von Schulen: Was Schulträger tun können

Die Defizite bei der Digitalisierung der Schulen sind durch die Corona-Pandemie in den Fokus der Öffentlichkeit gerutscht. Eine besondere Rolle spielen hier Städte und Gemeinden: Die Kommunen sind als Schulträger verantwortlich für die Ausstattung der Schulen mit IT. Was können Bürgermeister*innen und Verwaltung tun, damit die Digitalisierung an den Schulen vor Ort gelingt?

Der Digitalpakt war nur der Anfang: Sowohl die Bundesregierung als auch die Bundesländer stellen Millionen-schwere Geldtöpfe zur Verfügung. Ob diese Geld bei den Schulen wirklich ankommt und die Investitionen auch die gewünschte Wirkung entfalten, hängt vor allem von den Schulträgern ab: Sie müssen die Fördergelder abrufen und sinnvoll investieren. Um sicherzustellen, dass die Investitionen Früchte tragen und die Kooperation mit den Schulen gelingt, können die Schulträger einiges beitragen. In diesem Artikel möchte ich aus der naturgemäß begrenzten Lehrer-Perspektive beschreiben, was Schulen sich von Schulträgern wünschen, um eine gute Zusammenarbeit zu ermöglichen und die Digitalisierung gemeinsam zu gestalten.

Regelmäßige Kommunikation

Die wahrscheinlich wichtigste Bitte an alle Bürgermeister*innen und die verantwortlichen Mitarbeiter*innen in den Verwaltungen: Sprecht mit den Vertreter*innen der Schulen. Viele Lehrkräfte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten viel Expertise rund um die Digitalisierung erarbeitet. Es mag Schulleitungen geben, die Digitale-Initiativen von Schulträgern abblocken. Es gibt aber eben so gut wie in jedem Kollegium auch Lehrkräfte, die viel Know-how und Motivation mitbringen. Ein Wissenstransfer aus den Schulen in die Rathäuser ist unerlässlich, um sinnvolle Investitionen zu tätigen.

Eine gute Kommunikation ist noch aus einem anderen Grund wichtig: Schulen und Verwaltung können nur gut zusammenarbeiten, wenn eine vertrauensvolle Beziehung besteht. Dazu gehört es die Probleme und Herausforderungen des Gegenüber zu kennen: Schulträger wissen viel zu wenig über den Schulalltag. Und Schulleitungen und Lehrkräfte kennen selten die Schwierigkeiten, mit denen sich Verwaltungsmitarbeiter herumschlagen – beispielsweise die Komplexität von Ausschreibungen.

Umso wichtiger ist es, regelmäßige Gelegenheiten zum Austausch zu institutionalisieren. Das können regelmäßige Treffen zwischen den IT-Beauftragten in den Schulen und in den Rathäusern sein. Das können aber auch offene Formate wie zum Beispiel Barcamps sein. Denn solche Veranstaltungen erlauben es, auch Eltern und Schüler*innen, freie Bildungsträger oder regionale IT-Unternehmen einzubinden, die oft zusätzliche Ideen und Dynamik in die Digitalisierungs-Prozess einbringen.

Langfristige Medienentwicklungsplanung

Der öffentliche Druck auf die Entscheidungsträger in den Kommunen ist durch die Corona-Pandemie groß geworden. Gleichzeitig stehen zahlreiche Geldtöpfe zur Verfügung, aus denen Städte und Gemeinden teilweise kurzfristig Geld abrufen können. Dennoch ist es bei der Ausstattung der Schulen jetzt extrem wichtig, nicht in Aktionismus zu verfallen. Denn es ist wichtig, an den Schulen für eine nachhaltige IT-Infrastruktur zu sorgen, in der die einzelnen Puzzle-Teile wie die mobilen Endgeräte, der Schulserver, das Lernmanagementsystem oder die IT-Grundausstattung in den Klassenräumen gut zusammen passen.

Grundlage für die Planung der komplexen Infrastruktur müssen die Medienkonzepte der Schulen sein. Anschaffungen sollten daher immer mit den Schulen abgestimmt werden. Die beste Grundlage für die gemeinsame Planung ist ein Medienentwicklungsplan. In einem solchen Dokument wird zum Beispiel eine Investitionsplanung für die nächsten fünf Jahre festgehalten. Dabei kann dann auch detailliert geplant werden, welche Fördertöpfe für welche Investitionen angezapft werden können. So kann sichergestellt werden, dass keine Gelder verfallen.

In einem Medienentwicklungsplan sollten aber auch konkrete Vereinbarungen zwischen den Schulen und den Schulträgern festgehalten werden. Im Sinne der Schulen ist vor allem ein Service-Level-Agreement (SLA), das festlegt, welchen Support der Schulträger leistet. Wichtig für Schulträger ist dagegen ein sogenanntes Operation Level Agreement (OLA), um sicherzustellen, dass die Ausstattung auch wirklich sachgemäß genutzt wird und nicht verstaubt.

Bei der Medienentwicklungsplanung ist es sinnvoll externe Expertise einzubinden. Im Land NRW beispielsweise gibt es in allen Kreisen und Städten sogenannte Medienberatungen. Hier stehen abgestellte Lehrkräfte zur Verfügung, die nicht nur die Schulen, sondern auch die Städte und Gemeinden beraten können. Die Medienberatung NRW hat zudem auch eine sehr empfehlenswerte Broschüre zur Medienentwicklungsplanung herausgegeben.

Steht einmal der Medienentwicklungsplan, sollte er möglichst auch umgesetzt werden, da er für die Schulen eine sehr wichtige Grundlage für die Planung der Schulentwicklung ist: Nur wenn Schulen genau wissen, auf welche Ausstattung sie zugreifen können (werden), können sie Unterricht nachhaltig weiter entwickeln und digitale Bausteine pädagogisch sinnvoll einbinden.

Verantwortlichkeiten klären und Ansprechpartner benennen

Viele Verwaltungsprozesse sind sehr komplex: Neue Geräte müssen ausgewählt, ausgeschrieben, bestellt, bezahlt, installiert, gewartet und irgendwann auch entsorgt werden. Die einzelnen Schritte liegen oft in der Verantwortung von verschiedenen Mitarbeiter*innen, Referaten oder Dezernate. Die Verwaltung muss deswegen die typischen Prozesse so strukturieren und standardisieren, dass die Zusammenarbeit möglichst schnell und reibungsfrei laufen kann.

Damit das gelingen kann, braucht es in der Verwaltung einzelne Führungskräfte oder Projektleiter*innen, die für die Digitalisierung der Schulen verantwortlich sind. Sie können den Überblick über die digitale Infrastruktur an den Schulen behalten, die Zusammenarbeit im Rathaus koordinieren und den Digitalisierungs-Prozess langfristig planen und voran treiben. Wichtig ist dabei, dass diese Mitarbeiter*innen einen engen Kontakt mit den Schulen vor Ort pflegen.

Diese Kontaktpflege ist auch deshalb wichtig, weil für die Vertreter der Schulen das oben beschriebene Geflecht der Zuständigkeiten in den Rathäusern nahezu undurchschaubar ist. Deswegen ist es sehr wichtig eindeutige Ansprechpartner zu benennen. An wen können sich die Schulen bei Wünschen für Neuanschaffungen von Endgeräten wenden? Wer ist für Support zuständig? Wer kümmert sich um das Netzwerk? Es erspart auch den Mitarbeiter*innen der Verwaltung viel Zeit, wenn dies intern und auch nach außen hin eindeutig geklärt ist.

Verlässlicher Support

In den nächsten Jahren werden wohl alle Städte und Gemeinden Millionen für die IT der Schulen ausgeben. Doch diese Investitionen werden nur dann mittel- und langfristig das Lernen nachhaltig verbessern, wenn die Geräte verlässlich gewartet und gepflegt werden: Wenn Geräte nicht zuverlässig laufen, werden Lehrer*innen sie nicht einsetzen und sie verstauben in der Ecke. Die Investitionen wären dann umsonst gewesen.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass Defekte und Probleme schnell behoben werden. Der Idealfall wäre natürlich ein IT-Experte der dauerhaft direkt vor Ort ansprechbar ist. Gerade an größeren Schulen mit demnächst vielleicht vierstelligen Gerätezahlen ist dieses Szenario eines „IT-Hausmeisters“ nicht mehr unrealisitisch.

Doch auch wenn dies nicht möglich ist, muss sichergestellt sein, dass Defekte zügig behoben werden. Wünschenswert ist ein Online-Ticket-System, in dem Lehrkräfte Defekte unkompliziert melden können und über die Bearbeitung informiert werden. Insbesondere in der Verwaltung sind dabei schnelle Antwortzeiten des Support unerlässlich: Ohne funktionierende IT ist die Schulleitung kaum noch arbeitsfähig.

Die Aufgaben bei IT-Support der Schulen werden in den nächsten Jahren mit der steigenden Anzahl der Geräten immer anspruchsvoller. Schulträger müssen daher jetzt beginnen, die Zahl ihrer Mitarbeiter aufzustocken. IT-Techniker sind natürlich derzeit auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht zu bekommen. Umso wichtiger ist es, ggf. eigenen Nachwuchs auszubilden. Um mögliche Bewerber zu gewinnen, bietet sich natürlich eine Kooperation mit den Schulen an.

Haben Kommunen nicht ausreichend viele Mitarbeiter in ihrer IT-Abteilung, können natürlich auch externe Dienstleister den IT-Support an Schulen übernehmen. Wichtig ist aber, diese Arbeit zu begleiten: Genauso wie der Hausmeister als städtischer Angestellter die Arbeit von Handwerkern im Blick behält, sollte ein Fachmann die Arbeit von externen IT-Dienstleistern koordinieren und überwachen.

Vernetzung der Schulen unterstützen

Grundsätzlich sollte der Schulträger die Vernetzung der Schulen innerhalb der Kommune fördern. Ein kollegialer Austausch ist nämlich alles andere als selbstverständlich: Schulen stehen teilweise in Konkurrenz um Schüler*innen, aber auch um die Zuwendungen der Kommunen.

Es ist aber im eigenen Interesse der Schulträger Anlässe für einen Austausch unter den Schulen zu schaffen. Denn wenn sich zum Beispiel alle Schulen auf eine einheitliche IT-Infrastruktur einigen, erleichtert das den Support und senkt in der Regel auch die Kosten. Die gemeinsame Arbeit kann zudem zu einem Wissenstransfer zwischen den Schulen beitragen und zu einer besseren Verknüpfung der Medienbildung an den verschiedenen Schulformen führen, wodurch die Übergänge zwischen den Schulen für die Schüler*innen erleichtert würden.

Know-how über Lernen im digitalen Zeitalter erwerben

Während der Schulschließung wurde deutlich, dass viele Menschen ein falsches Bild der Ziele der Digitalisierung der Schulen haben. Oft steckt in den Köpfen noch das Bild der Schule, die sie selbst besucht haben. Digitalisierung stellen sich viele vor diesem Hintergrund als Prozess vor, in der die althergebrachten analogen durch neue digitale Werkzeuge ersetzt werden: Statt Kreide-Tafeln hängen interaktive Whiteboards in den Klassenräumen und die Lehrkraft überträgt den Frontal-Unterricht per Videokonferenz auch nach Hause.

Eine so verstandene Digitalisierung der Schule wäre aber viel zu kurz gesprungen. Das besondere an der Digitalisierung ist ja gerade, dass sie alle Lebensbereiche revolutioniert. Auch in den Schulen kann sie dazu beitragen, das Lernen fundamental zu verändern – und zum Beispiel im Sinne der Reformpädagogik mehr an den Bedürfnissen der Schüler zu orientieren. Eine handlungsorientierte Medienpädagogik, in der Schüler*innen aktiv und autonom mit den digitalen Werkzeugen arbeiten, ist nicht zuletzt auch deshalb erforderlich, um die jungen Menschen auf eine Leben in einer digitalen Welt vorzubereiten.

Schulträger können sich auf vielen Wegen über dieses neue Lernen informieren. Eine Möglichkeit ist die Teilnahme an einer der inzwischen zahllosen Veranstaltungen rund um die Digitalisierung von Schulen. Vernetzung und Wissenstransfer ist auch per Social Media möglich: Im Twitterlehrerzimmer sind auch Nicht-Lehrer*innen willkommen.

Man kann sich aber auch analog weiterbilden: Es gibt Einsteiger-Lektüren wie „Mehr als 0 und 1 – Schule in einer digitalisierten Welt“ von Beat Döbeli Honegger oder den „Routenplaner Digitale Bildung“.

Der beste Weg zu mehr Wissen führt aber in die Klassenzimmer in den Schulen vor Ort. Vertreter der Verwaltung sollten sich hier ein Bild davon machen, wie die Lehrkräfte mit digitalen Medien arbeiten – und wo der Schuh drückt.

Bild: AnnaER ; Lizenz: Pixabay

2 Gedanken zu „Digitalisierung von Schulen: Was Schulträger tun können

  1. Marc

    Hi Dominik,
    du beschreibst die Situation vor Ort in den Kommunen absolut treffend. Beide Seiten müssen in puncto IT eng miteinander im Kontakt sein, am besten vierteljährlich, später, wenn die Infrastruktur steht und läuft, reichen wahrscheinlich auch halbjährliche Runde Tische oder sogar nur jährliche „Investitionsgespräche“, wie es vieler Orten genannt wird.
    Der nötige „IT-Experte“, den du Für die Schulen und in den Schulen einforderst, wird immer noch unterschätzt. Im Moment erahnen die Schulträger, dass sie ihre IT-Abteilung deutlich personell verstärken müssen und haben teils auch schon aufgestockt. Sie müssen aber jede zusätzliche Personalstelle mühsam im Rat durchbringen. Und dabei ahnen sie kaum, dass künftig an jeder Schule ein System-Admin arbeiten muss, denn die Schulen sind künftig IT-mäßig nicht mal mehr mit mittelständischen Unternehmen vergleichbar (die werden je Definition bis 500 Mitarbeiter gerechnet), sondern weit darüber hinaus. Was hier noch an Personal und Know-How nötig ist, wird noch viele politische Diskussionen zwischen Kommunen, Ländern und Bund nach sich ziehen und entsprechend dauern. Wir werden die 15 bis 20 Jahre nicht mehr aufholen, die wir im Bildungsbereich hinterherhinken.
    Beste Grüße, Marc

    Antworten
    1. D.S. Beitragsautor

      Lieber Marc,
      danke für den Kommentar. Ich befürchte auch, dass das lange dauern wird, die Defizite beim IT-Support aufzuholen. Bislang konnten ja oft noch einige Lehrkräfte den Support schultern. Mit der rasant steigenden Zahl der Geräte und der dadurch immer aufwändigeren Infrastruktur ist das schlichtweg nicht mehr möglich. Ich frage mich, wann diese Erkenntnis bei den Entscheidungsträgern ankommt.
      Viele Grüße
      Dominik

      Antworten

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