Wie das Schulsystem Lehrer-Teamwork verhindert

Arbeitsteilung bei Unterrichtsvorbereitung, Abstimmung bei pädagogischen Maßnahmen, Austausch über Erfahrungen und Probleme: Kooperation kann Lehrerinnen und Lehrern dabei helfen, ihre Arbeit besser zu machen. Zeit für Teamwork ist aber im Stundenplan der Pädagogen nicht vorgesehen.
„Lehrerinnen und Lehrer stimmen sich in der pädagogischen Arbeit miteinander ab und arbeiten zusammen“. Was wie eine Bestandsaufnahme klingt, ist in Wahrheit eine dienstliche Anweisung. Sie findet sich in Paragraph 10, Absatz 4 für der Allgemeinen Dienstordnung für Lehrerinnen und Lehrer des Landes NRW.

Trotz der Dienstverpflichtung zum Teamwork ist Kooperation im Lehrerzimmer keine Selbstverständlichkeit. Ich erlebe viele Lehrerinnen und Lehrer (LuL) am Gymnasium auch heute noch als Einzelkämpfer. Dabei ist es ohne Zweifel sinnvoll, wenn Kollegen zum Beispiel bei der Unterrichtsplanung zusammenarbeiten. Es spart viel Zeit, wenn nicht jeder alles selbst vorbereitet. Und die Teamarbeit sorgt dafür, dass der Unterricht oft kreativer, vielseitiger und besser durchdacht ist. Letztlich trägt Kooperation so dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler (SuS) besser und mit mehr Spaß lernen.

Teamwork erleichtert individuelle Förderung

Lehrer-Teamwork hilft auch bei der individuellen Förderung von Schülern. Denn Fördermaßnahmen sind dann besonders erfolgversprechend, wenn alle Lehrer ihre Bemühungen abstimmen. Für den Erfahrungsaustausch und die Koordinierung von Fördermaßnahmen müssten sich aber alle LuL regelmäßig treffen, die in einer Klasse unterrichten. Solche Treffen im Klassen-Team gibt es jedoch in der Praxis nur selten. Denn Zusammenarbeit zwischen Lehrern ist an Gymnasien in NRW ist aus systematischen Gründen grundsätzlich schwierig.

LuL haben keine festen Arbeitszeiten. Ihr Stundenkontingent verteilt sich mehr oder weniger zufällig auf die Wochentage. Wenn mehrere LuL kooperieren wollen, müssen sie also Zeitfenster finden, in denen alle betroffenen Kollegen keinen Unterricht haben.
Zwar hat so gut wie jeder mal Freistunden, diese überschneiden sich aber nur selten mit denen anderer Kollegen. Meiner Erfahrung nach ist es schon ab vier Kollegen so gut wie unmöglich während der regulären Unterrichtszeit – also zwischen 8 und 16 Uhr – ein Zeitfenster zu finden, in dem alle können. In einer Klasse unterrichten aber oft zehn oder sogar mehr Lehrer. Die Terminfindung ist zudem durch die Einführung von Ganztags-Schulen und G8 noch schwieriger geworden, weil viel mehr Nachmittagsunterricht stattfindet.

So bleiben an unserer Ganztagsschule meist nur die Pausen, um sich mit mehreren Kollegen an einen Tisch setzen zu können. Die Teilnehmer sind dann allerdings oft schon erschöpft. Zudem stehen solche Treffen immer unter Zeitdruck: Schließlich möchten die LuL schnell fertig werden, um zumindest noch kurz etwas Energie zu tanken. Beides trägt dazu bei, dass die Zusammenkünfte oft nicht sonderlich produktiv ablaufen.

Schulen suchen nach Lösungen

Um trotz der Terminprobleme Kooperation zu ermöglichen, gehen Schulen unterschiedliche Wege. An meiner Schule hat die Schulleitung zum Beispiel für Klassenkonferenzen oder für die Unterrichtsentwicklung im Team feste Termine angesetzt: Damit sich dann möglichst viele Kollegen zusammensetzen können, fällt dann der Unterricht für einen ganzen oder halben Tag aus. Doch an solchen Terminen ballen sich oft die Verpflichtungen und Termine.

Einige Schulen lösen das Problem, indem sie einen Konferenz-Nachmittag einrichten: An diesem Nachmittag findet kein Unterricht statt, so dass die Lehrer hier einfacher Termine für Meetings finden. Das ist an einem Ganztags-Gymnasium wie meiner Schule aber nahezu unmöglich. Bei uns findet an jedem Wochentag Nachmittagsunterricht statt: Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass im Rahmen der Einführung von G8 die Stundenzahl der SuS gestiegen ist und so viel mehr Unterricht nach der Mittagspause stattfindet, als das früher der Fall war.

Letztlich ist also jede Form der Kooperation schwierig. Wer an Schulen mit Kollegen zusammenarbeiten will, muss organisatorische Klippen umschiffen: Das trägt dazu bei, dass viele LuL Kooperation erst einmal als zusätzliche Belastung wahrnehmen. Viele LuL bleiben deshalb Einzelkämpfer, obwohl die Zusammenarbeit mittelfristig Zeit und Kraft sparen würde.

Keine organisatorischen Hilfen oder Anreize zur Kooperation

Obwohl mehr Teamwork in Lehrerzimmern sicherlich einer der Schlüssel zu einer deutlichen Verbesserung der Unterrichtsqualität wäre, sind mir keine Reformen der Landesregierung bekannt, die dazu dienen die Kooperation unter LuL zu fördern. Weder bietet das Schulsystem organisatorische Hilfen für die Schulen noch irgendwelche Anreize das Einzelkämpfer-Dasein aufzugeben.

Lösungen gibt es dabei sehr wohl. So ist es zum Beispiel denkbar, Konferenz-Termine der Klassen-Teams fest im Stundenplan zu verankern. Dafür müsste die Team-Arbeit als fester Bestandteil im Stunden-Kontingent anerkannt werden. Das würde aber wiederum bedeuten, dass die einzelnen Lehrer weniger Unterricht erteilen könnten und somit mehr Lehrer eingestellt werden müssten. Zu erwarten sind solche Änderungen daher nicht. Warum auch, in der ADO, Paragraph 10, Absatz 4 steht es ja längst: „Lehrerinnen und Lehrer stimmen sich in der pädagogischen Arbeit mit einander ab und arbeiten zusammen.“

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Bild-Quelle: Denise / pixelio.de

2 Gedanken zu „Wie das Schulsystem Lehrer-Teamwork verhindert

  1. hannes

    Inhaltlich richtig. Wenn ihr aber ernst genommen werden wollt, hört auf von SuS und LuL zu reden. Wir haben schon mit genügend Vorurteilen zu kämpfen. Infantilität muss nicht auch noch sein.

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    1. D.S. Beitragsautor

      Lieber Hannes,
      mir würde es leichter fallen, Ihren konstruktiv zu würdigen, wenn er irgendein Argument oder eine ernsthafte Anregung enthalten würde. Ehrlich gesagt, fällt es mir aber auch schwer Menschen ernst zu nehmen, die mich nicht ernst, weil ich Wendungen wie LuL oder SuS nutze. Ich bin aber gerne bereit mich belehren zu lassen, warum das infantil ist.
      Viele Grüße
      D.S.

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